{"id":1522,"date":"2024-09-07T10:39:12","date_gmt":"2024-09-07T10:39:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.leopolddutrey.com\/?p=1522"},"modified":"2024-09-07T10:39:13","modified_gmt":"2024-09-07T10:39:13","slug":"casting","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.leopolddutrey.com\/fr\/2024\/09\/07\/casting\/","title":{"rendered":"Casting"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWas hat sich seit letztem Jahr ver\u00e4ndert?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem Moment dachte ich nur: \u201eWas soll ich darauf antworten?\u201c So viel hat sich ja nun auch nicht ver\u00e4ndert. Ich war jedenfalls nicht auf diese Frage vorbereitet. Ich dachte mir: \u201eDiesmal gehe ich einfach hin und lasse alles auf mich zukommen.\u201c Vielleicht war das nicht die beste Strategie. Jedenfalls habe ich dann sowas gesagt wie:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch habe mein Studium abgeschlossen. Mein Praktikum, das ich damals in Bremen gemacht habe, ist auch vorbei. Jetzt arbeite ich freiberuflich und habe mehr Zeit zum Modeln. Ich stehe inzwischen bei drei Agenturen unter Vertrag.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das war\u2019s dann auch. Sie wollte nicht wirklich mehr \u00fcber mich wissen. Nachdem der N\u00e4chste dran war, fiel mir pl\u00f6tzlich ein, dass sich mein Look ja total ver\u00e4ndert hat. Letztes Jahr beim Vorcasting hatte ich noch wei\u00dfe Haare. Ich habe damals in Bremen gewohnt und wollte meine Haare selbst blondieren, was richtig schiefging. Am Ende musste ich zu Gully &amp; Pierre f\u00fcr eine Rettungsaktion. Innerhalb von ein paar schmerzhaften Stunden bin ich vom Pissgelb zu gebleichten Haaren gewechselt. Es war das erste Mal, dass ich diesen Influencer-Friseur ausprobiert habe, und ich muss sagen, das Ergebnis war echt cool. Es gab aber auch nicht viele andere Optionen nach meinem Missgeschick. Der Look kam in Berlin gut an, und Heidi meinte sogar: \u201eCooler Look!\u201c W\u00fcrde sie sich freuen, dass meine Haare jetzt fast wieder nat\u00fcrlich sind? Oder, dass sie l\u00e4nger geworden sind? Ein Grund mehr, sie beim Umstyling zu schneiden! Wahrscheinlich ist es ihr aber relativ egal. Am Ende z\u00e4hlt der Eindruck im Moment.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letztes Jahr bin ich in Berlin nicht weitergekommen bei GNTM 2024. Gestern wurde ich auch beim Vorcasting in M\u00fcnchen nicht zum n\u00e4chsten Schritt in Berlin eingeladen. Was hat sich ge\u00e4ndert? Viel und doch nicht so viel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Feedback bekommt man in der Modelwelt ja eher selten. So l\u00e4uft es halt. Vielleicht h\u00e4tte ich in dem Moment nach Feedback fragen k\u00f6nnen, aber es gibt ja Regeln. Man l\u00e4sst die Jury sprechen, und wenn die Entscheidung f\u00e4llt, kann man vielleicht noch was sagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich war die Erste von der vierten Gruppe, die sprechen durfte. So l\u00e4uft das Casting ab: Man kommt zum Hauptsitz von ProSieben, entweder Anfang August oder, wie ich dieses Jahr, Anfang September, und wartet erst mal viel. Vorher musste man alle Dokumente, die man per E-Mail erhalten hat, ausdrucken und unterschreiben. Dann geht\u2019s ins Geb\u00e4ude und man durchl\u00e4uft eine Sicherheitskontrolle, die ein bisschen wie am Flughafen ist, nur nicht so streng. In der Schlange habe ich Benedict vom letzten Jahr wiedererkannt! Er war auch in Berlin und kommt aus M\u00fcnchen. Ich habe mich total gefreut, ihn zu sehen, denn meine Aufregung hat sich dadurch etwas gelegt. Wir haben uns begr\u00fc\u00dft und ein paar Worte ausgetauscht. Sp\u00e4ter, als wir l\u00e4nger warten mussten, haben wir schnell mit anderen gesprochen, die um uns herum standen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist schon cool, mit so vielen Models in einem Raum zu sein. Die meisten sind echt locker und nett \u2013 ganz normale Leute. Wir alle haben dasselbe Ziel. Einer kam sogar aus Griechenland und hie\u00df Nikodimo, ein Name, den er noch bei niemand anderem geh\u00f6rt hatte. Die Leute waren nat\u00fcrlich \u00fcberrascht, dass ich aus Paris komme. Noch mehr erstaunt waren sie, als ich erkl\u00e4rte, dass ich keine deutschen Eltern habe. \u201eDu sprichst aber gut Deutsch!\u201c. Ich erkl\u00e4re dann immer, dass mein schwacher franz\u00f6sischer Akzent, den man oft gar nicht bemerkt, wahrscheinlich daher kommt, dass ich so lange auf eine amerikanische Schule gegangen bin, weil ich in Thailand aufgewachsen bin. Ich dachte mir, das hebt mich vielleicht von den anderen ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ist das wirklich ein Vorteil? Beim Casting in Berlin letztes Jahr wollte ich Heidi genau das erkl\u00e4ren \u2013 als ob sie das nicht schon aus meiner Bewerbung und den Videos wusste \u2013 und ich war vor Aufregung v\u00f6llig durcheinander. Erstens hatte ich vergessen, dass sie es sowieso wei\u00df, und zweitens wollte ich eine gro\u00dfe Story erz\u00e4hlen, obwohl man daf\u00fcr \u00fcberhaupt keine Zeit hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie auch immer, ich glaube, dieses Jahr kam das nicht so gut an. Schlie\u00dflich geht\u2019s hier um Germany\u2019s Next Topmodel. Schon zu Hause in M\u00fcnchen, wo ich bei Freunden meiner Familie \u00fcbernachtet habe, meinte Marko, nachdem ich rausgeflogen war: \u201eDas h\u00e4ttest du so nicht sagen sollen \u2013 oder zumindest anders formulieren.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er meinte, ich h\u00e4tte den Fokus in meiner unvorbereiteten Vorstellung zu sehr auf meine franz\u00f6sische Herkunft und mein Leben in Paris gelegt. Welchen Vorteil hat das \u00fcberhaupt? Germany\u2019s Next Topmodel ist eine Sendung, in der \u201eGermany\u201c klar im Vordergrund steht. Marko sagte: \u201eDu h\u00e4ttest erw\u00e4hnen k\u00f6nnen, dass es sowas in Frankreich gar nicht gibt und dass du so viel gereist bist, um hier teilzunehmen, und dass du es wieder tun w\u00fcrdest.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mir war es echt peinlich, nochmal dar\u00fcber nachzudenken. Ich mag es nicht, wenn ich merke, wie arrogant ich manchmal wirken kann. So war es nicht gemeint, aber es kam halt so r\u00fcber. Ich war noch total m\u00fcde von der Reise und dachte, ich h\u00e4tte mich nicht so schlecht geschlagen. Ich glaube, wenn sie mich wirklich gewollt h\u00e4tten, h\u00e4tten sie mich genommen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich meine Bewerbung fast vergessen hatte und deshalb in der Vorcasting-Runde im September statt im August war. Sie haben vorher schon so viele gute Leute gesehen. Warum noch einen arroganten Franzosen, der erkl\u00e4rt, dass er Franzose ist, obwohl sie das eh schon wissen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck zum Vorcasting in M\u00fcnchen. Wir waren alle im Slot 3, dem letzten des Tages, der sich von 16:00 bis 21:00 Uhr ziehen kann. Wir sa\u00dfen an den runden Tischen im gro\u00dfen Raum und warteten. Didier, der Casting-Direktor, kam raus und erkl\u00e4rte uns, wie der Ablauf sein w\u00fcrde. Erst die Anmeldung, dann werden wir in Gruppen zu viert aufgeteilt. Didier holte immer mal wieder die n\u00e4chste Gruppe, und die danach wusste schon, dass sie sich vorbereiten sollte. Ich war fast am Ende dran, mit Timo, Matze und einem coolen Typen, dessen Namen ich nicht mehr wei\u00df. Vielleicht war ich in dem Moment zu sehr auf mich selbst fokussiert. Timo erz\u00e4hlte, dass er mal Schauspieler war und Schwierigkeiten hatte, aus dieser Rolle rauszukommen. Er hatte in einer mittelm\u00e4\u00dfig bekannten deutschen Serie gespielt, deren Namen ich mir nat\u00fcrlich nicht merken konnte. Sein Traum war es aber immer, Model zu sein. Er war auch letztes Jahr in Berlin. Matze war irgendwie die ganze Zeit \u00fcber ziemlich nerv\u00f6s, fand ich. In seiner Vorstellung vor der Jury erw\u00e4hnte er, dass er eine Krankheit hatte, die man an seinem Hals erkennen k\u00f6nne, was ich vorher nicht bemerkt hatte. Und der coole Typ kam gef\u00fchlt eine Stunde zu sp\u00e4t zum Casting. Er war am selben Tag mit dem Flixbus aus Berlin angereist und hatte Versp\u00e4tung. Zum Gl\u00fcck wurde er noch in eine der sp\u00e4teren Gruppen eingeteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir standen alle in einem neuen Raum und durften auf die St\u00fchle setzen. Wir konnten schon die Leute sehen, die weitergekommen waren \u2013 sie sa\u00dfen entspannt auf den St\u00fchlen neben der Kaffeemaschine. Dort war ich letztes Jahr auch. Man wartet einfach, bis man aufgerufen wird, um ein cooles Video im Studio mit dem gro\u00dfen wei\u00dfen Hintergrund zu drehen, bevor man das wohl aufregendste Interview seines Lebens f\u00fchrt. Bei mir wurde das nat\u00fcrlich nie im TV gezeigt. Nur die paar Flips, die ich vor Heidi gemacht habe, sind ausgestrahlt worden. Laut Fernseher habe ich nicht mal gesprochen, was nat\u00fcrlich nicht stimmt. Ich rede so viel, dass man eher sagen k\u00f6nnte, ich labere gern. Letztes Jahr habe ich f\u00fcr das Interview sogar extra ein Hemd angezogen, um schlauer auszusehen. Ich dachte, das w\u00fcrde Eindruck machen. Aber im TV war dann offenbar der Handstand interessanter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Didier kommt zu uns Vieren und erkl\u00e4rt, was als N\u00e4chstes passiert: \u201eIhr werdet hier in einer Reihe stehen, und wenn die Musik anf\u00e4ngt, d\u00fcrft ihr euch nach meinem Signal auf das rote Kreuz vor die Jury stellen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob er erw\u00e4hnt hat, dass wir uns vorstellen sollten, wei\u00df ich nicht mehr. Letztes Jahr war das irgendwie ganz nat\u00fcrlich, weil der Typ, der mir damals die Fragen gestellt hat, sofort meinte: \u201eDu strahlst! Woher kommt das?\u201c Keine Ahnung, was ich geantwortet habe, aber es hatte auf jeden Fall seinen Effekt. Nach ein paar weiteren Fragen, auf die ich mit einem breiten Grinsen geantwortet habe, wurde ich zum Polaroid-Set hinter uns geschickt, um Fotos zu machen. Ein gutes Zeichen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Jahr war es keine Frage nach meiner Ausstrahlung. Stattdessen hie\u00df es einfach: \u201eDu warst schon letztes Jahr hier.\u201c Das klang nicht gerade begeistert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann fragte die Jurorin ziemlich gehetzt: \u201eWer m\u00f6chte anfangen?\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sagte sofort: \u201eSure! Ich kann anfangen.\u201c Als ob ich nicht auch \u201egerne\u201c h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen. Dann wartete ich. Sie schaute mich an und meinte: \u201eFang doch einfach an, stell dich vor!\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da fiel mir ein, dass ich mich ja vorstellen sollte. Aber sie kennt mich doch schon, oder? Also fing ich an zu labern: \u201eIch bin L\u00e9opold, ich bin Franzose, lebe inzwischen in Paris, aber ich spreche Deutsch, nicht wegen meiner Eltern\u2026\u201c Ich h\u00f6re hier besser auf. In echt habe ich weiter geredet, aber es ist mir gerade zu peinlich, das alles aufzuschreiben. Was f\u00fcr ein eingebildeter Typ war ich an dem Tag? Es kam jedenfalls nicht besonders gut an. Meine letzte Frage war: \u201eWas hat sich seit letztem Jahr ver\u00e4ndert?\u201c Danach schien das Interesse an mir verflogen \u2013 auch das Fotoset hinter mir wurde mir nicht mehr angeboten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Einzige, der viele Fragen gestellt bekam, war der coole Typ aus unserer Gruppe, dieser Schwarze mit der tiefen Stimme. Er blieb entspannt und ganz locker, vielleicht etwas ruhig, aber nicht so ruhig wie Matze. Er war der Einzige, der dann auch Fotos machen durfte. Danach wurden wir alle gebeten, den Raum zu verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenige Minuten sp\u00e4ter durften wir nochmal rein. Die Jurorin bedankte sich bei uns, und das war das Einzige, was ich in dem Moment wirklich verstanden habe. Wir sind rausgegangen, und ich fragte sofort: \u201eWir sind nicht weiter, oder?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNee, sind wir nicht\u201c, meinte Matze, etwas genervt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In solchen Momenten bin ich oft einfach nicht wirklich da. Ich f\u00fchlte mich irgendwie fertig von der Anreise, aber ich habe nicht das Gef\u00fchl, dass ich die Chance meines Lebens verpasst habe. Bereuen tue ich es auf jeden Fall nicht. Ich bin froh, nach M\u00fcnchen gefahren zu sein. Ich habe so viele andere Projekte am Laufen, so viele coole Sachen, an denen ich arbeite, dass ich mir jetzt sage: Ich kann damit weitermachen und muss nicht alles f\u00fcr dieses Abenteuer auf Eis legen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr andere ist das nat\u00fcrlich nicht so. In meiner Gruppe war alles noch relativ entspannt, vielleicht ein bisschen entt\u00e4uschend f\u00fcr einige, aber kein Drama. Doch bei anderen gibt es oft Tr\u00e4nen, wenn sie erfahren, dass die Reise schon in M\u00fcnchen endet, bevor sie \u00fcberhaupt richtig angefangen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht gibt es dieses Jahr wieder ein \u00f6ffentliches Casting in Berlin, wie letztes Jahr. Mal sehen, wann das ist und ob ich verr\u00fcckt genug bin, nochmal hinzufahren. Das w\u00e4re jedenfalls eine Gelegenheit, Berlin zu besuchen. Modeln ist manchmal wie Lotto. Manche gewinnen, manche nicht. Meistens gibt es keine richtige Erkl\u00e4rung. Man kann sich oft nicht wirklich verbessern, weil man so wenig beeinflussen kann. Aber wie beim Lotto gilt: Je \u00f6fter man spielt, desto h\u00f6her sind die Chancen zu gewinnen. Die Chancen bleiben zwar gering, aber besser als wenn man es gar nicht versucht. So sehe ich das auch beim Modeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich wei\u00df nicht genau, warum ich immer wieder zum Modeln zur\u00fcckkehre. Ich wei\u00df jetzt schon, dass es nicht das Einzige ist, was ich machen will. Ich glaube, was mich reizt, ist die Vorstellung, eine Spur zu hinterlassen. Wenn es mal tolle Bilder von mir gibt, an die sich die Leute erinnern, dann reicht mir das schon. F\u00fcr mich ist das Modeln eine Art, wie man mich visuell wahrnehmen kann. Aber das Visuelle reicht mir nicht. Ich will, dass meine Stimme erkannt wird, die Worte, die ich w\u00e4hle, wenn ich schreibe. Ich will mehr von mir mit der Welt teilen. Ich mache das alles f\u00fcr mich selbst, aber ich bem\u00fche mich, dass es unterhaltsam, angenehm und vielleicht sogar hilfreich f\u00fcr andere ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Casting in M\u00fcnchen gestern bin ich ziemlich z\u00fcgig zur S-Bahn-Station in Unterf\u00f6hring gelaufen und habe die n\u00e4chste S8 Richtung Wei\u00dfling genommen. Zuerst habe ich versucht, meine franz\u00f6sischen Freunde zu erreichen, bei denen ich \u00fcbernachte. Ohne Erfolg. Dann habe ich mein deutsches Management in Hamburg angerufen \u2013 ebenfalls ohne Erfolg. Nach einer kurzen Pause rief ich dann Ramon Wagner (itgirlagenten) an. Er ging schnell ran.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBist du gerade in M\u00fcnchen beim GNTM-Casting?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eJa, genau.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAha, das hab ich mir schon gedacht. Und, wie war&#8217;s?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kenne Ramon seit ein paar Jahren. Als ich anfing, auf Instagram bekannter zu werden, folgte er mir irgendwann. Ich merkte sofort, dass er der Typ ist, der die Interviews mit den TV-Kandidaten auf YouTube macht. Ich schaue GNTM komplett durch, seitdem ich in Deutschland lebe. Damals konnte ich nicht mehr richtig turnen, und ich dachte, Model zu sein, w\u00e4re eine coole und finanziell interessante Alternative. Beim ersten Punkt hatte ich recht, beim Geld warte ich noch. Ich meine, Heidi hat mit dem Modeln ja ordentlich abgesahnt. Warum also nicht ich?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich konnte GNTM 2019 und 2020 problemlos in Deutschland schauen, weil ich damals noch in Deutschland lebte, studierte und arbeitete. Am 22. August 2020 schrieb ich Ramon dann:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch hab schon mal deine Videos geguckt, die du mit GNTM-Models machst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eHaha, damit h\u00e4tte ich jetzt nicht gerechnet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein paar Nachrichten sp\u00e4ter versprach er mir, mir in den kommenden Jahren alle GNTM-Folgen zu schicken. Seit 2020 hat er keine Folge verpasst, und ich konnte jede Staffel aus Frankreich anschauen, da die Sendung normalerweise nur f\u00fcr die DACH-Region zug\u00e4nglich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 6. September 2024, am Telefon mit Ramon:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWas? Sie haben dich nicht genommen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNee.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eHaben sie eine Begr\u00fcndung gegeben?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNein, nat\u00fcrlich nicht. Das machen die ja nicht. Das ist normal. Aber ich war an dem Tag schon ziemlich durch. Sie haben mich gefragt, was sich seit letztem Jahr ver\u00e4ndert hat. Und in dem Moment wurde mir klar, dass ich vielleicht gar nicht so viel Fortschritt gemacht habe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Frage hat mir gezeigt, wo mein eigentliches Problem liegt. Ich mache so viele verschiedene Sachen, dass die Leute am Ende des Tages nicht wissen, was genau ich tue, was mir Spa\u00df macht und was mich antreibt. Das gr\u00f6\u00dfte Problem ist: Ich wei\u00df es selbst nicht so genau. Genau deshalb st\u00fcrze ich mich in so viele Projekte. Ich habe Schwierigkeiten, mich festzulegen, und noch mehr hasse ich es, mir einzugestehen, dass ich etwas loslassen sollte. Keine Entscheidung zu treffen, ist auch eine Entscheidung \u2013 aber selten eine gute.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, ich habe mich f\u00fcr Freelance-Arbeit entschieden, um mehr Zeit zum Modeln zu haben. Ich habe Instagram genutzt, um mir eine gewisse Glaubw\u00fcrdigkeit als Model aufzubauen. Und ich habe bei mehreren Agenturen unterschrieben, um \u00fcberhaupt modeln zu k\u00f6nnen. Aber ich habe mich nie voll und ganz hineingest\u00fcrzt, weil ich Angst habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe Angst, zu scheitern. Ich bin unsicher. Mein Mund schlie\u00dft sich nicht ganz, weil meine Z\u00e4hne so gro\u00df sind und viel Platz einnehmen. Manchmal sieht das verkrampft aus. Manchmal lasse ich den Mund offen, was nicht bei jedem Shooting passt. Um den Mund geschlossen zu halten, muss ich meine Kinnmuskeln anspannen, was nat\u00fcrlich auch nicht ideal ist. Aber das ist nicht mal meine gr\u00f6\u00dfte Unsicherheit. Ich finde, ich sehe immer m\u00fcde aus. Die Vertiefungen unter meinen Augen sind so stark, dass ich sie auch mit intensiver Bildbearbeitung und f\u00fcnf Jahren Erfahrung nicht immer kaschieren kann. Im Alltag achte ich st\u00e4ndig auf das Licht und denke mir oft: \u201eVerdammt, heute ist es bew\u00f6lkt, ich sehe bestimmt wieder richtig fertig aus, und man wird meine tiefen Augenringe sehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Modeln hat mir geholfen, auf mich selbst zu achten. Mal positiv, mal eher nicht. Es hat mir geholfen, mit meinen Unsicherheiten umzugehen und sie zu \u00fcberspielen. Ich habe gelernt, dass manchmal die Einstellung wichtiger ist, als man denkt, und dass man sich lieber auf seine St\u00e4rken konzentrieren sollte, statt auf die Schw\u00e4chen. Ich habe gemerkt, dass man nicht unbedingt perfekt aussehen muss, um ein cooles Bild hinzubekommen. Ich habe auch gelernt, wie man mit Bearbeitung aus einem Foto etwas Krasses machen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe also viel durch das Modeln gelernt, und das hat f\u00fcr mich einen tiefen, intrinsischen Wert. Deshalb bleibe ich dran und gebe nicht auf. Ich wei\u00df, dass es ein bisschen wie ein Lottospiel ist. Ich wei\u00df aber auch, dass ich mich daf\u00fcr entscheiden muss, wenn ich es wirklich ernst meine. Und ich wei\u00df, dass ich in anderen Bereichen vielleicht mehr Potenzial habe und dort wahrscheinlich auch st\u00e4rker bin. Aber der Hauptgrund, warum ich heute immer noch dabei bin, ist, dass ich Angst habe, es sp\u00e4ter im Leben nicht mehr machen zu k\u00f6nnen. Es ist entweder jetzt oder nie. Ich will meine Chance nicht verpassen. Ich will es erleben, bevor es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Vorteil nach so einem Casting-Tag ist, dass ich immer besser wei\u00df, was ich will, als noch zu Beginn des Tages. Ich denke dann sofort: \u201eEs gibt doch noch andere TV-Shows in Deutschland.\u201c Oder: \u201eVielleicht kann ich diesen Artikel sogar an Freunde in der Presse weiterleiten.\u201c Ich habe sofort angefangen, \u00fcber die n\u00e4chsten Schritte nachzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich nicht genau wei\u00df, wohin ich will, hat es mir bisher immer geholfen, einfach etwas zu tun und es durchzuhalten. So habe ich am meisten gelernt. So habe ich die gr\u00f6\u00dfte Klarheit gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was hat sich seit letztem Jahr ver\u00e4ndert? Vielleicht nicht viel, aber hoffentlich habe ich einige sinnvolle Schritte gemacht.<\/p>\n\n\n<!-- wp:themify-builder\/canvas \/-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWas hat sich seit letztem Jahr ver\u00e4ndert?\u201c In dem Moment dachte ich nur: \u201eWas soll ich darauf antworten?\u201c So viel hat sich ja nun auch nicht ver\u00e4ndert. Ich war jedenfalls nicht auf diese Frage vorbereitet. 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